Der Bismarckturm

Zum Bismarckturm

Am 30. Juli 1898 schloss der wohl populärste aber auch umstrittenste deutsche Politiker Otto von Bismarck für immer seine Augen. Das deutsche Volk war dem Einiger des deutschen Reiches dankbar für die erste grundlegende Sozialgesetzgebung im Reiche, aber auch das Sozialistengesetz ging auf das Konto Bismarcks. Er bekämpfte Zeit seines Lebens die aufstrebende und immer mehr an Einfluss gewinnende Arbeiterbewegung. Schon zu seinen Lebzeiten wurden in Deutschland Bismarckdenkmäler errichtet. Ein erstes Bismarckdenkmal stand in Burg 1895 auf dem Magdalenplatz. Am 3. Dezember 1898 rief die deutsche Studentenschaft in Hamburg dazu auf, überall im Reich an markanten Punkten Bismarcktürme und Bismarcksäulen zu errichten. Dieser Aufruf wurde in allen größeren Tageszeitungen veröffentlicht und lautete:


„An das deutsche Volk!

Eingedenk ihrer Aufgabe, allzeit Hüterin des nationalen Gedankens zu sein, hat die akademische Jugend aller Universitäten und Hochschulen in Deutschland sich geeinigt, eine gemeinsame Kundgebung des deutschen Volkes für unsern dahingeschiedenen Altreichskanzlers anzuregen, die dem Unvergeßlichen ein bleibendes, würdiges und volkstümliches Wahrzeichen vaterländischen Dankes aufrichte. Nicht ein einzelnes Monument von bleibender Pracht, mehr ein Schaustück für staunende Fremde wie Gemeingut der deutschen Volksgenossen, soll dem schlichten Helden entstehen. Wie vor Zeiten die alten Sachsen und Normannen über den Leibern ihrer gefallenen Recken schmucklose Felsensäulen auftürmten, deren Spitzen Feuerfanale trugen, so wollen wir unserem Bismarck zu Ehren auf allen Höhen unserer Heimat, von wo der Blick über die herrlichen deutschen Lande schweift, gewaltige granitene Feuerträger errichten. Überall soll ein Sinnbild der Einheit Deutschlands, das gleiche Zeichen erstehen, in ragender Größe, aber einfach und prunklos, auf massiven Unterbau eine schlichte Säule, nur mit dem Wappen und Wahlspruch des Eisernen Kanzlers geschmückt. Keinen Namen soll der gewaltige Stein tragen, aber jedes Kind wird ihn dem Fremden deuten können: Eine Bismarcksäule!“.


Auch in Burg wurde die Idee wohlwollend aufgenommen. Konkret wurde man aber erst am 29. Januar 1906. An diesem Tage trafen sich national gesinnte Männer in Lachmunds Hotel um über die Errichtung eines Burger Bismarckturmes zu beraten. Die Versammlung leitete der Stadtrat Paasche, der auch den an diesem Abend gewählten 6 köpfigen Arbeitsausschuss vorstehen wird. Er verwies darauf, dass bereits 1000 Mark dem Bismarckturmfond zur Verfügung stehen. Seit dem vorigen Jahr, dem Geburtstag des Altreichskanzlers wird intensiv für die Idee gesammelt. Den Anwesenden wurden Sammelbücher übergeben mit der Auflage, dass jedes dieser Bücher mindestens 100 Mark an Spenden einbringen muss. Der gebürtige Burger und damals als Landesbau-Direktor in Aachen tätige bedeutende Architekt Hermann Eggert legte einen ersten Entwurf vor, für den Maurermeister Ortloff die Ausführungszeichnungen fertigte. Dieser Entwurf wurde als Postkarte gedruckt. Der Verkaufserlös diente ebenfalls zur Finanzierung des Turmes. Ideen waren auch damals gefragt und so war ein zünftiger Bismarckskat im Gespräch, die Regimentskapelle sollte mehrere Konzerte geben, deren Erlös dem Turmbau zu Gute kommen sollte. Sachleistungen der am Bau beteiligten Gewerke wurden vorausgesetzt. Erstes konkretes Ergebnis des Abends war die Festlegung des Standortes dieses Monuments, der Haugschen Windmühlenberg an der heutigen Rodelbahn. Auch die Finanzierung des Grundstückskaufs, war abgesichert. Es konnte auf einen über 15 Jahre angesparten Baufond zurückgegriffen werden. Zufrieden ging man auseinander.

Während sich die Vereine der Stadt in den Dienst der Bismarckturmsache stellten, profilierte sich Hauptmann Wangemann vom hiesigen Regiment als Koordinator des Projektes. Und er hat sehr gut gearbeitet, denn bereits am 24. Mai nur knapp 6 Monate nach der historischen Zusammenkunft im Lachmundschen Hotel (Bahnhofstraße 8) wurde mit dem Aushub der Baugrube begonnen. Der Bauausschuss vertraute voll auf die Erteilung der Baugenehmigung, die dann am 5. Juni 1906 vom Magistratsboten überstellt wurde. Das Burger Bauunternehmem Piper erhielt den Zuschlag zur Ausführung des Turmbaus. Mit dem hoch mauern wurde am 25. Juni 1906 begonnen. Während nun der Turm zügig wuchs, häuften sich die Veranstaltungen Burger Vereine, die der Finanzierung des Bauprojekts dienten. Eine Vorreiterrolle übernahm der Schützenverein. Er veranstaltete am 21. Februar 1906 im hiesigen Schützenhaus ein Unterhaltungsabend, dessen Erlös dem Bismarckturmfond zur Verfügung gestellt wurde. Es sollte nicht die einzige Veranstaltung bleiben, die die Schützengilde der Turmsache widmete. Auch wurden vom Bauausschuss Sammelhefte für 50 und 20 Mark verteilt. Damit sollen auch die minderbegüterten Burger erreicht werden. Jeder auch jeder kleinste Betrag wurde dankbar angenommen. Gesangsvereine gaben Konzerte und stellten die Einnahmen dem Turmbau zur Verfügung. Der Burger Fußballverein „ Preußen“ stiftete die Eintrittsgelder eines Freundschaftsspiels gegen eine Brandenburger Fußballmannschaft dem gleichen Zweck.

Am 18. Oktober 1906 war es dann soweit, der Schlussstein wird unter den Hochrufen der Ehrengäste und Schaulustigen feierlich gesetzt. 26 Meter überragt er nun den Flämingrand. Mit der später draufgesetzten Flammenschale wird seine entgültige Höhe 27 Meter betragen. Während die Bürger unserer Stadt den Koloss bestaunen, werden die am Bau beteiligten Arbeiter zu einem zünftigen Richtschmaus in den ganz in der Nähe liegenden Bierkeller geladen.

Nun beginnt der Innenausbau des Turmes. Ein ungenannt bleibender Bürger hat 5 Festmeter Eichenholz aus dem Sachsenwald zur Verfügung gestellt. Burger Tischler fertigten daraus die Täfelung für die Ehrenhalle und dem Vereinszimmer. Im Vereinszimmer wird der Verein „Bismarckturm“ e.V., dessen Satzung vom 17. August 1906 stammt gegründet. Bücher und Erinnerungsstücke die an den Reichskanzler erinnern wurden gesammelt und archiviert. Ganz in diesem Sinne ist der §1 der Satzung:

„Der Verein Bismarckturm verfolgt den Zweck, das Andenken an den Fürsten Otto von Bismarck zu pflegen; er will insbesondere den Bau des Bismarckturms bei Burg fördern, den Turm dauernd unterhalten und für Entflammen alljährlicher Erinnerungsfeuer auf ihm Sorge zu tragen. Er führt den Namen „ Verein Bismarckturm“, hat seinen Sitz in Burg an der Ihle und soll in das Vereinsregister eingetragen werden. Nach erfolgter Eintragung heißt er: „Verein Bismarckturm in Burg an der Ihle eingetragener Verein“.

Eine 80 Zentimeter hohe Bismarckbüste, geschaffen vom Bildhauer Görling war der Blickfang der Ehrenhalle. Die Büste wurde flankiert von Medaillons des Kriegsministers Roon und des Generalstabschefs Moltke. An der Südfassade ist das Familienwappen der Bismarcks, ein dreiblättriges Kleeblatt mit Eichenlaub, angebracht.

Der 1.April war eigentlich als Tag der Weihe vorgesehen Er erwies sich aber als ungünstig, fiel er doch auf den Ostersonntag. An diesem Tag hätte Bismarck seinen 92. Geburtstag begangen. Doch viele Stadtverordnete und Einwohner waren über Ostern verreist. So wurde die feierliche Turmweihe auf den 22. März vorverlegt. Auch ein symbolisches Datum. Es ist der Geburtstag Kaiser Wilhelm I, der im Spiegelsaal von Versaille zum deutschen Kaiser gekrönt wurde. Unter ihm war Otto von Bismarck 17 Jahre Reichskanzler. Während unter großer Anteilnahme der Bevölkerung der Bismarckturm geweiht wurde, versammelten sich die Ehrengäste zum Festessen im Gesellschaftshaus „Ressorce“ in der Burger Grünstraße. Dort wurde feierlich die Verantwortung für den Turm aus den Händen des Bauausschusses in die Hände des „Verein Bismarckturm e.V.“ gelegt. Diesen 250 Mitglieder umfassenden Verein wird die Instandhaltung des Turmes und die Betreuung der Besucher ans Herz gelegt. Der Wunsch den Turm schuldenfrei zu übergeben, konnte nicht ganz erfüllt werden. Eine kleine Summe musste noch aufgebracht werden. Der Versicherungswert des Bauwerkes betrug 28400 Mark.

Am 1.April des Jahres 1907 wurde erstmals ein Gedenkfeuer für Otto von Bismarck entzündet. Unter Aufsicht von 3 Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr brannte der Holzstoß zirka eine Stunde. Bis 1918 wurden die Gedenkfeuer regelmäßig entfacht. Der erste Weltkrieg und die Nachkriegszeit ließen die Belange des Turmes in den Hintergrund rücken. Wahrscheinlich wurde die Bronzebüste Bismarcks, die die Ehrenhalle schmückte, während des ersten Weltkrieges eingeschmolzen. 1927 wurde eine Gipsbüste vom Nutzer des Turms dem Burger Fußballclub „ Preußen“ die ihren Platz unmittelbar am Bauwerk hatten feierlich geweiht. Es wurde der Verlust von Bestandteilen des Vereinszimmers beklagt. Die prachtvolle Täfelung wurde teilweise herausgerissen.

1933 wurde der Turm noch einmal vom Burger Fußballclub Preußen komplett instandgesetzt. Die Gipsbüste Bismarcks wurde jetzt der politischen Realität Rechnung tragend von Büsten des Reichskanzlers Adolf Hitler und Paul von Hindenburg flankiert.

Während des zweiten Weltkrieges befand sich auf dem Turm ein Beobachtungsstand der Flak. Vor dem Turm waren die Feuerwehren in Stellung gebracht worden, die bei eventuellen Luftangriffen auf Burg zum Löschen ausrücken sollten.

Nach dem zweiten Weltkrieg verfiel der Turm in ein Dornröschenschlaf. Auch aus der Idee den Turm für das Pionierhaus Nutzbar zu machen wurde nichts. Oft wurde die Tür aufgebrochen. Anfang der siebziger Jahre wurden die Tür und die unteren Fenster vermauert.

2004 hat sich der Heimatverein Burg und Umgebung e.V. die Aufgabe gestellt, den Turm zu seinen 100. Geburtstag im März des Jahres 2007 der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

 

Wer war Otto von BismarckInfos zur Sanierung des Bismarckturmes

 

Anschrift:
Hainstr. 11 - 12
39288 Burg
Telefon:
03921 984432
Buerozeiten:
Mit. v. 14:30 - 16:30 Uhr
E - Mail:
info@heimatverein-burg.com
Zum Kontaktformular