Der Hexenturm

Der Hexenturm

Er wurde mit der ersten Burger Stadtmauer im 11. Jahrhundert errichtet - jedoch in anderer Bauweise.  Vermutlich war er ursprünglich viereckig und stadtwärts offen, und wurde Ende des 15. Jahrhunderts zur heutigen Form umgebaut.

Ins Innere gelangte man einst nur vom oben verlaufenden Wehrgang der Stadtmauer.  Nach deren Wegfall schuf man einen Zugang in Bodenhöhe.  Eine vermauerte Tür außen am Verlies gibt Rätsel auf.  Wurde sie im Kriegsfall etwa als Ausfalltür genutzt?  Doch bleibt fraglich, warum sie sich gerade hier befand.

Als die Stadtmauer samt Wehrtürmen ab ca. 1700 den Verteidigungszweck verlor, geriet der Turm zum "Kriminalgefängnis für lüderliche Mädchens".  Im Erdgeschoss ist nur ein kleiner Raum, mit einer Fußboden-öffnung in der Mitte, durch die die Delinquentinnen ins tiefe, dunkle, feuchte Verlies hinab gelassen wurden.

In Burg gab es auch zahlreiche Hexenprozesse, wie z.B. den Fall der "Schwarzen Barbara", die am 16. Dezember 1600 auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde.  Allein von 1616 bis 1619 fanden in Burg rund 10 Hexenprozesse statt.  Eine weitere bekannte Insassin war die angebliche Kindesmörderin Marie Huhn, von der die "Sage von der Marientränke" kündet.

1758 ließ der Rat östlich am Hexenturm eine kleine Behausung für den Gerichtsdiener - der damals als Gefangenenwärter tätig war - und dessen Familie bauen.  Als Frauengefängnis wurde der Turm bis 1846 genutzt, danach aber durch das neu erbaute Gericht mit angegliedertem Gefängnis in der Hainstraße abgelöst.

Weil man keinerlei Verwendung mehr fand, sollte der Turm 1885 abgerissen werden.  Dies verhinderte die Magdeburger Regierung per Anweisung.  Ein erneuter Versuch, den Turm 1895 abzutragen, weil die Katzen-treppe dort entstehen sollte, scheiterte ebenfalls; und so entstand die Treppe einige Meter neben dem Turm.

1985 restaurierte der Kulturbund der DDR den Turm.  Umfassend saniert wurde er dann 1998/99 im Rahmen des Altstadt-Sanierungs-Programmes der Stadt Burg.

 

Sage von der Marientränke

Einst lebte ein wunderschönes Mägdelein in Burg, mit dem Namen Marie.  Sie stammte aus einem reichen Elternhaus.  Wo indes Not und Elend zu Hause waren, half sie gern.

Als sie eines Abends nach Hause kam, lag vor ihrer Tür ein Bündel.  Sie überlegte, was sie mit dem Bündel tun solle.  Da vernahm sie plötzlich ein leises Wimmern.  In den Tüchern fand sie ein Kindlein.  Marie badete und wickelte es, und suchte nach irgendwelchen Hinweisen, die vielleicht Aufschluss über die Herkunft des Säuglings geben könnten.  Da sie jedoch nichts fand, nahm sie an, dass es vermutlich sehr arme Eltern sein mussten.

Marie kümmerte sich täglich um das Baby.  Aber es wurde immer schwächer - bis es eines Morgens tot im Bettchen lag.  Marie schrie vor Schmerz laut auf, so dass die Nachbarn herbei gelaufen kamen und das leblose Kind erblickten.       

Schon am nächsten Morgen erzählten die bösen Klatschweiber in ganz Burg, Marie habe das Kind wohl selbst getötet.  Schließlich erschienen Knechte und holten Marie ab.  Sie wurde in den Hexenturm geworfen und erhielt nur Wasser und Brot.  Jeden Tag kam der Henker zur ihr, schlug sie mit einer Hundepeitsche und zwickte sie mit einer glühenden Zange.

„Gestehst du nun, dass du das Kind umgebracht hast!“  fragte der Henker sie.  Marie beteuerte:  „Nein, nein, ich habe es nicht getan!“  Nach einer Woche kam der Henker mit einer siebensträhnigen Peitsche, und zwängte ihre Daumen noch zusätzlich in einen Schraubstock.  Die höllischen Schmerzen nicht mehr aushaltend, rief Marie:  „Ja, ich habe das Kind erwürgt!“

Daraufhin brachte das empörte Volk Marie vor das Schartauer Tor zu einem Teich, steckte sie in einen Sack, und ließ sie so lange unter Wasser tauchen, bis kein Geist mehr in ihr war.  Später erwies sich, dass Marie unschuldig war.   So heißt diese Stelle bis heute “Marientränke“.

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