Kunst des Gerbens

Geschichte des Gerberhandwerks

Leder (gegerbter und veredelter tierischer Rohstoff in natürlicher Faserverflechtung) gehört zu den ältesten Kulturgütern der Menschheit. Seine Herstellung – das Gerben – ist eines der ältesten Gewerbe der Welt. Der Urmensch verarbeitete Tierhäute z. B. für die Herstellung von Kleidung, dem Bau von Booten und Zelten u.a.. Aus alten Schriften ist auch bekannt, dass schon die alten Ägypter, Perser und Römer es verstanden, hochwertiges Leder herzustellen. Im Mittelalter gewann das Gerberhandwerk in Deutschland immer mehr an Bedeutung, da Leder eine vielfältige Verwendung fand, z. B. für die Herstellung von:

  • Alltagskleidung (Jacken, Hosen, Schuhe und Kopfbedeckungen),
  • Militärzubehör (Harnische, Schilde und Waffen),
  • Fuhrwesen (Leder für Reiter, Ross und Sattel).

Gegen Ende des 13. Jh. ließen sich erste Gerber in Burg nieder. Die Stadt bot mit der durchfließenden Ihle eine optimale Lage zur Ausübung des Gerberhandwerks. So entstand im Laufe der Zeit die Gerbergasse (heute Hainstraße) an der Ihle. Ende des 19 Jh. existierten ca. 19 Gerbereien in Burg.


Schritte der Lederherstellung

1. Vorbereitung der Rohhaut

Die Vorbereitung der Rohhaut fand bereits auf dem Schlachthof statt, wo man die abgezogene Tierhaut konservierte, um sie bis zur Verarbeitung haltbar zu machen, da sonst eine Fäulnisgefahr bestand. Die Konservierung erfolgte meist durch Salzen oder Trocknen der Haut, wodurch diese an Feuchtigkeit verlor und an Haltbarkeit gewann. Danach transportierte man die Rohhäute zur Gerberei.

2. Umwandlung der Rohhaut in Blöße

Die ersten Arbeitsgänge in der Gerberei – der Wasserwerkstatt – waren das Weichen und das Haarlockern der gelieferten Rohhäute. Dabei wurden diese zunächst im Wasser der Ihle gereinigt und danach auf ihren ursprünglichen Feuchtigkeit– und Quellzustand zurückgeführt. Anschließend entfernte man die ungeeignete Oberhaut durch Enthaaren sowie die Unterhaut durch Entfleischen. Die verbleibende Lederhaut nennt man Blöße. Diese musste noch gespaltet, entkälkt und gebeizt werden. Diese Arbeitsgänge dienten zur Vorbereitung der Blöße für die Aufnahme der Gerbstoffe während des Gerbvorganges.

3. Umwandlung der Blöße in Rohleder

Bei der Gerbung dringen Gerbstoffe in die Blöße und lagern sich an den Hautfasern ab. Während des Verlaufes muss die Goldene Gerberregel beachtet werden: Mit schwacher Brühe angerben und mit stärker werdender Brühe durchgerben.

Die pflanzliche Gerbung in Gerbgruben (Lohgerbung):

Bei der pflanzlichen Gerbung verwendete man als Gerbmittel zerkleinerte Fichtenund Eichenrinde, Lohe genannt. Diese Lohe wurde zwischen eingestapelten Blößen gestreut und in Wasser der Gerbgruben zur Gerbbrühe ausgelaugt, bis sie einen Gerbstoffgehalt von ca. 10 % enthielt. Erst dann erfolgte die Gerbung. Dieser Prozess dauerte ca. 12 – 20 Monate. Es entstanden feste und strapazierfähige Leder, die eine gelb- bis rotbraune Färbung aufwiesen.

Die mineralische Gerbung in Gerbfässern (Weißgerbung):

Alle mineralisch gegerbten Leder müssen durch einen „Pickel“ (Wasser, Salz, u. Säure) vorbehandelt werden. Dieser Arbeitsgang diente zur vollständigen Durchdringung der Gerbstoffe in die Blöße während des Gerbprozesses. Für die Weißgerbung verwendete man als Gerbmittel Alaun (Aluminiumsalze). Mit ihm gerbte man Pelze, Felle und leichte Leder, die dabei eine weiße Farben erhielten.

Die mineralische Gerbung in Gerbfässern (Chromgerbung):

Hier wurden rotierende Gerbfässer, die mit einer fertig gelieferten Chromsalzbrühe gefüllt waren, mit gepickelten Blößen (siehe oben) beladen. Zur Verstärkung der Brühe erfolgte eine Zugabe von Soda. Die nach 8 – 12 Stunden gegerbten Rohleder zeigten eine grünlich-blaue Färbung. Die Fertigleder waren weich und geschmeidig. Dieses Verfahren wird noch heute weltweit bis zu 80 % angewandt.

4. Umwandlung des Rohleders in Fertigleder

In der letzten Abteilung der Gerberei – der Zurichterei – erhalten die Rohleder die Eigenschaften und das Aussehen, welche sie als Fertigleder für den jeweiligen Verwendungszweck haben müssen. Zum Zurichten gehören folgende Arbeitsgänge:

  • Entwässern des Rohleders (Walken)
  • Bearbeiten der Lederdicke und –fläche (Falzen, Schleifen)
  • Zurichten der Narben– und Fleischseite (Egalisieren, Narbenpressen
  • Nasszurichten (Bleichen, Färben, Fetten)
  • Trocknen des Leders
  • Weichmachen des Leders (Stollen, Millen)
  • Vermessen des Fertigleders.